"Zur Digitalisierung des Sozialen" von Christian Dopheide

09.01.2018

Ein Pfarrer schreibt über Digitalisierung. Das hat man nicht alle Tage. Und wenn, dann geht es eher um den Teufel in Computergestalt. Der Autor ist aber nicht nur Pfarrer, sondern auch Sozialmanager. Damit rückt das Thema näher. Gemeinsam mit seinem kaufmännischen Vorstandskollegen führt er seit Jahren ein großes Sozialunternehmen, das in seinem Markt und den sozialpolitischen Wirren bestehen und reüssieren muss. Die beiden haben dieses Unternehmen mutig und unkonventionell aus einer prekären Lage geführt und erfreuen sich jetzt ihres unternehmerischen Erfolgs.

Dopheide nimmt die Leser mit zu einem Parforceritt, der, wie sich das für einen Theologen gehört, mit einer kurzen Geschichte der Ethik beginnt. Danach werden alle gesellschaftlichen und sozialpolitischen Umbrüche und Problemfelder beleuchtet und in gedankliche Verbindung mit der Entwicklung von Technik und Informationstechnologie gebracht. Teilweise gehen die Fragestellungen weit über das Thema Digitalisierung hinaus. „Das Soziale gehört auf den Markt, aber auch in die Märkte“ ist eine Kapitelüberschrift. Aber auch. „Wer entscheidet eigentlich, was gut ist?“ Da gibt es keine leichten Antworten, und Dopheide sucht auch keine solchen.

Der Autor fürchtet sich weder vor dem technologischen Fortschritt noch vor dessen Folgen für Dienstleistungsbereiche wie die Sozialwirtschaft. Im Gegenteil: Er sieht Möglichkeiten, wie Technik allgemein und Informationstechnologie im Besonderen bei der Betreuung, Pflege, Erziehung und Begleitung von Menschen mit Hilfebedarf eine sinnvolle Ergänzung sein könnte, die Betreuende entlastet und Betreute ebenso. Diese nüchterne Sicht wird auch nicht durch theologische und sozialpolitische Erwägungen eingeschränkt. Dopheide ist aber nicht naiv. Er kennt und benennt die ethischen Fragen, die schnell auch zu Grenzverletzungen werden können. Sie zu kennen und zu benennen heißt aber auch, sie zu beherrschen. Ängstliche Zurückhaltung hilft gar nichts, so könnte man zusammenfassen, aber mutige und aktive Nutzung führt zu Beherrschung.

Das Schlusskapitel zeigt die Richtung an: „Alles wird gut – offen bleibt, um welchen Preis“.

Ein lesenswertes Buch, das allerdings vom Leser und der Leserin einiges Durchhaltevermögen verlangt. Einfach mal durchblättern geht nicht.

Prof. Martin Beck / Januar 2018


Angaben zum Titel:
Zur Digitalisierung des Sozialen
Ethische und ökonomische Reflexionen
Von Christian Dopheide
2017, 268 S., Broschiert,
ISBN 978-3-8487-4030-7